Mein Netzgeschichten-Lese-Workflow

Je mehr Artikel man im Netz liest, desto mehr bekommt man mit, was man noch alles lesen könnte. Mal abgesehen von den vielen Büchern, die ich per 1-Click bei Amazon bestelle, nur weil sie irgendwo lobend erwähnt werden, strömen täglich dutzende interessante Links auf mich ein, die zumindest mal notiert werden wollen.

Meine Hauptquellen für solche Links sind Google Reader und Twitter. Ab und an schaue ich auch bei Google News und Rivva rein.

Die Herausforderung ist nun

  1. zu entscheiden, welche Artikel lesenswert sind,
  2. diese Artikel zentral zu sammeln und einfach lesbar zu machen,
  3. interessante Artikel wiederauffindbar zu machen und
  4. ausgewählte Artikel ohne großen Aufwand über Twitter oder Facebook weiterzugeben.

Meine Lösung macht Gebrauch von mehreren großartigen Webdiensten:

Workflow

Meine Arbeitsabläufe - oft schon morgens in der Straßenbahn - sehen wie folgt aus:

Auswahl

In Google Reader lasse ich mir alle ungelesenen Artikel anzeigen, ich markiere die eventuell lesenswerten mit dem Stern und danach alle als gelesen. Ifttt speichert mit diesem Rezept alle mit Sternchen markierten Artikel in ReadItLater.

Markierung von Artikeln in Google Reader. Sternchen führen zur Speicherung in ReadItLater. Alle werden als gelesen markiert.

In meinem Twitterclient auf meinem Android-Telefon kann ich Links direkt in die Android-ReadItLater-App schieben. Um später den Verlinkenden zu würdigen, wechsel ich mittlerweile direkt dorthin und schreibe ein via:twittername in die Schlagworte.

Am Rechner im Browser hilft mir die Google Chrome Erweiterung Obvious Interest, die das direkte Speichern von Links in ReadItLater ermöglicht. Auch hier notiere ich in den Schlagworten, über wen ich an den Artikel geraten bin.

Lesen

ReadItLater, wie auch die Konkurrenzprodukte Instapaper und Readability, dient dem Sammeln und Lesen von Artikeln. Sowohl die Web- als auch die Mobilanwendung präsentieren die Texte in einem einheitlichen und lesefreundlichen Format. Durch das vorherige Herunterladen aufs Telefon kann ich auch lesen, wenn ich gerade mal kein Netz habe. In Mannheim soll das durchaus mal vorkommen.

Lese ich einen interessanten Artikel, den ich auch nur im entferntesten irgendwann einmal wieder gebrauchen könnte, so versehe ich ihn mit Schlagworten. Sollte ich ihn nicht sofort, aber später tweeten wollen, setze ich das zusätzliche Schlagwort buffer. Alle gelesenen Artikel markiere ich in ReadItLater als... gelesen.

ReadItLater macht das Lesen von Artikeln sehr angenehm. Dies ist ein Screenshot von der Benutzeroberfläche.

Archivierung

Ein weiteres Ifttt-Rezept speichert alle in ReadItLater gelesenen Artikel in meinem Konto beim Lesezeichendienst Pinboard. Dabei werden die vergebenen Schlagworte selbstverständlich übernommen. Sollte ich später einen früher mal gelesenen Artikel suchen, so suche ich ihn anhand meiner Schlagworte bei Pinboard.

Screenshot von Pinboard

Weiterverbreitung

Artikel, die so gut sind, dass ich sie zu einem späteren Zeitpunkt tweeten möchte, versehe ich wie gesagt mit dem Schlagwort buffer. Ein drittes Ifttt-Rezept schiebt diese Links in die Webanwendung Buffer. Dort kann ich den Tweet in aller Ruhe bearbeiten, und hier kommt dann auch endlich das via:twittername-Schlagwort zum Zuge.

Ich habe in meinen Buffereinstellungen im übrigen keine automatischen Tweets aktiviert. Das heißt, ich schicke sie tatsächlich von Hand dort ab. Das ist zwar nicht die eigentlich Idee von Buffer, für mich taugt das automatisierte Twittern aber sowieso nicht.

Screenshot meines Buffer-Dashboards. Beispieltweets inklusive.

Diskussion

Mit diesem Aufbau komme ich momentan sehr gut zurecht. Ich habe immer etwas zu lesen, mein Google Reader wird mehrfach am Tag geleert, und Interessantes finde ich auch im Nachhinein wieder.

Wer aufmerksam gelesen hat, dem werden mindestens zwei Unschönheiten aufgefallen sein, die ich dabei akzeptieren muss. ReadItLater läuft mit vielen vielen Artikeln voll, die zwar auf den ersten Blick lesbar scheinen und deswegen in Google Reader mit einem Sternchen markiert werden, am Ende aber von neueren, noch interessanteren überholt werden. Sie werden demnach nie gelesen und verschwinden nicht aus der ReadItLater-Wartschlange. Das ist für mich ok, so habe ich zwei Stufen der Artikelauswahl, und die Wichtigkeit guter Titel wird extrem deutlich.

Pinboard wiederfährt ähnliches, weil auch die uninteressanten, und demnach unverschlagworteten, Artikel dort reinlaufen. Da die Suche in Pinboard hauptsächlich über Schlagworte läuft, ist aber auch dies kein wirkliches Problem. So ein wenig Rauschen in der öffentlichen Linksammlung schadet vielleicht auch nicht.

Fazit

Das war's. Wie bei allen Prozessoptimierungen interessiere ich mich brennend dafür, wie andere dies handhaben. Insbesondere auf Scytale's Setup bin ich gespannt, aber der Herr hat sich ja noch nicht dazu bequemt, mal was dazu zu schreiben.