Rom - Florenz - Toskana

Rom – 113km Zug & 46 km Rad – Pitigliano – 98km – Albina – 179km Zug & 28km Rad – Lucca – 95km – Florenz

Es soll ja Leute geben, die fliegen für eine Woche nach Rom, sind den ganzen Tag lang damit beschäftigt Museen und alte Gebäude anzugucken, und fliegen dann einfach wieder nach Hause. Ich für meinen Teil habe meine Tage in Rom zur Hälfte mit Zeitung lesen und zu einem weiteren Viertel mit Faulenzen verbracht. Rückblickend hätte ich mich wohl besser mental auf die nächsten Wochen vorbereiten sollen.

Um den großen Schnellstraßen auf dem Weg aus Rom heraus zu entgehen nahm ich erstmal den Zug zur Küste nach Montalto. Dank überzeugender Ich-Touri-Ich-nix-wissen-Gesten sparte ich die extra Fahrkarte fürs Fahrrad. Von Montalto sollte es nordwärts in die südliche Toskana gehen. Doch erstmal ging gar nichts. Kopf und Beine wollten einfach nicht vorwärts. Die drückende Hitze war nicht Schuld daran. Ich hatte einfach auf einmal null Motivation mehr. Langsam ging es weiter, gegen Abend auch wieder besser.

Nach einer Nacht in einem Weinberg ging es westwärts in Richtung Küste. Den Vormittag schlich ich wieder die Hügel hinauf, stieg alle paar Kilometer ab um zu rasten. Zwei Höhepunkte hatten diese zwei Tage allerdings. Das Bergdorf Pitigliano und die Thermalquellen von Santua, in denen ich baden konnte. Meine Strecke führte stellenweise über absolut ruhige Straßen, später auf einer größeren Hauptstraße. Die meiste Zeit ging es immer bergauf und -ab. Natürlich mehr Auf als Ab, ist ja logisch.

Irgendwann kam ich dann ans Meer. Ich saß da so im Sand, sah die Sonne untergehen, und war mir sehr lange nicht im Klaren darüber wie ich weiter machen sollte. Ich hatte keine Lust am nächsten Tag die Strecke nach Pisa zu starten, immerhin drei Tagesreisen. Die Landschaft hatte mir bisher überhaupt nicht gefallen. Es war auch die falsche Jahreszeit für die Toskana. Ein Nachtlager hatte ich auch noch nicht. Camping am Strand fiel als Möglichkeit flach, zu touristisch.

Letztendlich campierte ich auf einem nahen Campingplatz, ohne Zelt. Der kostete mich zwar die ungeheure Summe von ¥15,50, bot mir aber auch eine Pizzabäckerei und die Bekanntschaft mit zwei Erfurter Studenten, welche mein Verlangen nach Bier befriedigen konnten. Diese Nacht schlief ich wie ein Stein und war am nächsten Morgen wieder voll Tatendrang. Selbst die wirklich schlechte Zweimann-Band, die den Campingplatz in der Nacht mit ihrer Musik belästigten, hinderten mich nicht daran. Der Sänger- und Keyboardspieler klang, als hätte er vor einem halben Jahr erst das Klavierspielen begonnen und früher den Schulchor immer nur an den Konzertterminen verstärkt. So gesehen könnte ich vielleicht doch noch Profimusiker werden. Die italienischen Campinplätze sind so toll aber leider auch nicht. Also wohl eher nicht.

Ich fuhr also los, kaufte Obst und eine SZ, und wartete dann 3 Stunden auf den Zug, der mich direkt nach Pisa brachte. Dort zum Turm, Foto gemacht, und weiter. Die Sprintstrecke nach Lucca war auch gleich richtig schön, Lucca sowieso. Wer immer nach Pisa will, sollte sich in Lucca einquartieren und von dort einen Nachmittagsausflug nach Pisa machen.

Dann regnete es mal wieder. Gleichzeitig mit einem Belgier auf nem Motorroller fuhr ich trotzdem los. Und siehe da, eine halbe Stunde später war es trocken. Erst flach, später hügeliger, ging es über Vinci nach Florenz. Und wen treffe ich dort? Den Belgier. Er heißt Raul und wir verbrachten den darauffolgenden Tag gemeinsam in Florenz.

Auf dem Weg nach Florenz war ich immer noch nicht sicher, was ich mit der mir noch gebliebenen Zeit anfangen sollte. Eine Toskanarundtour, mit dem Fahrrad nach Norden Richtung Schweiz, mit dem Zug nach Hause um an meinem baldigen Geburtstag zu Hause zu sein? Auf der Suche nach der Jugendherberge sprach mich dann ein Italiener auf nem Fahrrad an, der gerade auf dem Nachhauseweg war und schwärmte von der Schönheit der Toskana. Er würde selbst an den Wochenenden immer mit dem Rennrad unterwegs sein und davon träumen auchmal so eine längere Radreise wie ich zu machen. Das wirkte.

Danach war die Entscheidung leicht. Es sollte wieder nach Süden gehen.

Florenz – 85km Siena – 70km – San Quirico – 111km – Civitella – 78km – Florenz

Durch die Hügel des Chianti führte mich die Strecke nach Siena. Die mit Sicherheit wunderschöne Landschaft konnte ich nur erahnen. Über allem hing, wie auch schon in den ganzen letzten Wochen, ein dichter grauer Dunstschleier. Ich habe extra Postkarten gekauft um zu sehen, was diese Ecke so berühmt und bekannt gemacht hat.

Abends in der Jugi traf ich neben Raul dem Belgier auch einen Australier wieder mit dem ich zwei Tage zuvor schon in Florenz geredet hatte. Gemeinsam gingen wir abends auf den Piazza del Campa, angeblich einer der schönsten Plätze der Welt, und erlebten ein gratis Gianna Nannini Konzert. Schätzungsweise 40.000 andere Leute taten dasselbe. Siena ist im übrigen sehr viel sehenswerter als Florenz.

Geplant hatte ich insgesamt 5 relativ kurze Etappen für die Toskanatour. Es wurden leider nur vier. Die Aufenthalte in Cortona und Arezzo fielen wegen Überbelegung der Jugendherbergen aus und bescherten mir eine ungeplante Nacht in einem Tal westlich von Arezzo. Zuvor war ich nach Süden durch die Crete gefahren, hatte die Abtei „Monte Oliveto Maggiore“ besucht, und war nach Montepulciano hinaufgefahren.

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