Teningen - Splügenpass

Teningen – 82km – Bad Bellingen – 108km – Kaiserstuhl / CH – 84km – Kreuzlingen – 90km – Schaan – 90km - Andeer

Gestärkt durch das vermeintlich vorerst letzte ausgiebige Frühstück stiegen wir am Morgen des 4. August endlich in die Pedale. Schon auf dem Weg nach Freiburg verfuhren wir uns das erste mal (ich hatte die Karte..). Bis zum frühen Nachmittag hatten wir schönes Radlwetter. Durch das flache Rheintal ging es zum Rhein. Dort sind wir weitesgehend einem ufernahen Wirtschaftsweg flussaufwärts gefolgt.

Der aufkommende Regen verschlechterte die Fahrbahnbeschaffenheit des sandigen Weges und ließ uns nicht gerade schnell vorankommen. Nach, gefühlsmäßig, viel zu wenigen Kilometern schlugen wir unser erstes Lager direkt am Rhein auf, so dass wir uns sowie unsere Räder waschen konnten.

Die meisten Tage in der Schweiz hatten wir kühles, regnerisches Wetter. Von den Unwettern, die zu der Zeit in Bayern und Österreich wüteten, bekamen wir aber nichts ab. Die Strecke am Rhein entlang verläuft meistens recht flach. Die schönen Alpenpanoramen konnten wir mangels Sicht leider nur erahnen.

Der nächste Tag brachte recht viel Sonnenschein. Nach einem kleinen Abstecher nach Frankreich erreichten wir Basel und somit die ausgeschilderten Veloland-Radwegen, denen wir bis nach Italien folgten. Die Rheinroute Nr.2 folgt dem Rhein, immer auf der Schweizer Seite, bis nach Andermatt. Bis auf ein paar Abkürzungen, beispielsweise von Kaiserstuhl nach Schaffhausen (-25km!), sind wir diesen Weg bis Chur gefahren, wo wir auf den Radweg Nr.6 abbogen, der uns bis nach Splügen brachte.

Die erste Nacht in der Schweiz verbrachten wir auf einer Wiese neben einem Sonnenblumenfeld. Der Bauer verstand uns so wenig wie wir ihn, aber seine Tochter konnte übersetzen: Deutsch – Schweizerdeutsch. Zu dem Geräusch von Regen aufzuwachen ist nicht sehr motivierend. Da hilft erstmal nur ein gutes Frühstück und eine Tasse Kaffee. Beides fanden wir in einem Café im ersten deutschen Dorf das wir fanden. Eigentlich hatte nur die Konditorei geöffnet und das Café Betriebsferien. Doch wir sahen wohl sehr mitleidserregend aus in unseren Regensachen, so dass wir als einzige Gäste im Café bedient wurden.

Richtung Bodensee wurden die Radfahrer immer zahlreicher, selbst bei dem miesen Wetter das wir hatten. Aufgrund des Regens und Alex´ beginnenden körperlichen Beschwerden verbrachten wir zwei Nächte in den tollen Schweizer Jugis. Das dort gebotene Frühstück sollte ein Vorbild für alle Jugendherbergen der Welt sein. Nur ganz billig ist das ganze leider nicht.

Die letzte Nacht vor der Alpenhauptkammüberquerung lagerten wir auf dem Gelände einer Steinbruchfirma bei Andeer. Auf über 900 Meter über NN waren wir da schon gekommen. Ich war zwar letztes Jahr schon einmal auf den Brocken gefahren, allerdings ganz ohne Gepäck. So war der Verlauf des nächsten Tages eine große Unbekannte.

Murphys Gesetz gilt auch auf dem Berg: Der Weg ist immer länger als man von unten denkt. Die nächste Kehre enthüllt meistens weitere. Und nach der Schweizer Zollstation geht es mindestens noch zwei weitere Kilometer bergauf. (Na gut, Murphy ist das wohl nicht ganz)

Je näher wir der Sonne kamen, desto wärmer wurde es leider nicht. 16km und 500hm bis Splügen. 9km und 700hm bis zur Passhöhe des Splügenpasses. Etwas vergleichbar anstrengendes hatte ich bis dato nur beim Bund erlebt. Mit 30kg auf dem Rücken im Eiltempo durch die Märkische Heide. Der Unterschied dazu war, dass wir uns nicht einmal fragen konnten was das ganze für einen Sinn hätte. Es zählt nur, dass man immer weiterfährt, egal wie langsam. Hauptsache ankommen. Irgendwie.

Erstaunlich ist es, wie viele Radfahrer man auf der Passhöhe trifft. Mehr als uns während des Aufstiegs entgegenkamen. Oben haben wir erstmal trockene Klamotten und alles, was wir an Wind- und Kälteschutz mithatten, angezogen, bevor es auf die lange Abfahrt ging. Bis Chiavenna waren es 30km auf denen es nur bergab ging. Eine dreiviertel Stunde mussten wir fast gar nicht pedalieren. Viele Serpentinen ließen nur eine Höchstgeschwindigkeit von 60,4 km/h zu, und das während einer Dorfdurchfahrt. Es war Donnerstag, und somit die Straße nicht allzu befahren. So konnten wir die teilweise grandiosen Aussichten genießen und erhielten eine angemessene Entschädigung für die vorherigen Qualen.

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